PARAMETER DER RADGEOMETRIE.

Diese Werte werden immer mit den Herstellerangaben abgeglichen, die je nach Modell, Baujahr oder Ausstattungsvariante variieren können.

STURZ.

Der Sturz beschreibt den Winkel, in dem das Rad im Vergleich zur Vertikalachse steht. Positiver Sturz bedeutet, dass die Oberseite des Rads nach außen geneigt ist, negativer Sturz, dass sie nach innen kippt. Zu großer negativer Sturz führt zu verstärktem Reifenverschleiß an der Innenseite, zu großer positiver Sturz zu Verschleiß an der Außenseite. Ein Sturz von null sorgt für optimalen Kontakt zwischen Reifen und Straße bei der Geradeausfahrt. Hersteller wählen häufig einen leicht negativen Sturz, um die Stabilität in Kurven zu verbessern – stets innerhalb enger Toleranzen. Positiver Sturz wird dagegen eher bei (leichten) Nutzfahrzeugen eingesetzt, da sich die Radstellung durch Beladung tendenziell in Richtung Null-Sturz verändert.

NACHLAUF.

Der Nachlauf beschreibt den Winkel zwischen Lenksäule und Vertikalachse. Ein positiver Nachlauf sorgt für Stabilität bei Geradeausfahrt und dafür, dass sich das Lenkrad nach Kurvenfahrten automatisch zurückstellt. Allerdings wird die Lenkung dadurch etwas schwergängiger. Negative oder neutrale Nachlaufwinkel werden heutzutage vermieden, da sie zu instabilem Lenk- und Fahrverhalten führen können. Moderne Fahrzeuge haben dank Servolenkung fast immer einen positiven Nachlauf von 2° bis teilweise über 6°, abhängig von Fahrzeugtyp und Segment. Einstellen lässt sich der Nachlauf meist nur bei Sport- oder Premiumfahrzeugen mit verstellbaren Querlenkern.

SPUR (VORSPUR UND NACHSPUR).

Die Spur beschreibt, in welche Richtung die Räder von oben gesehen stehen. Bei Vorspur zeigen die Vorderkanten der Räder zueinander, bei Nachspur nach außen. Je nach Fahrzeugtyp und Antriebsart wird in der Praxis sowohl Vorspur als auch Nachspur eingesetzt – zum Beispiel Vorderradantrieb mit Nachspur, Hinterradantrieb mit Vorspur. Eine falsche Spureinstellung führt zu erhöhtem Reifenverschleiß. Außerdem hat der Spurwert den größten Einfluss auf die Lenkpräzision.

Für jedes Modell geben die Hersteller konkrete Vorgaben mit den gewählten Sollwerten und Toleranzen vor (meist in Grad oder Millimetern pro Achse). Diese Angaben sind in der Achsvermessungssoftware oder in der technischen Fahrzeugdokumentation hinterlegt. Die Vorgaben berücksichtigen dabei unter anderem folgende Punkte:

  • Fahrzeugbelastung (teilweise mit vorgeschriebenem Zusatzgewicht)
  • Fahrhöhe (in mm), wichtig bei tiefergelegten oder beladenen Fahrzeugen
  • Radstand und Spurweite
  • Fahrzeugspezifische Geometrie (McPherson, Mehrlenker, Starrachse etc.)
  • Antriebsart (Vorderrad-, Hinterrad- oder Allradantrieb)

WARUM DIE RICHTIGE INTERPRETATION ENTSCHEIDEND IST.

Messen alleine reicht nicht aus: Ein erfahrener Techniker muss Abweichungen auch im jeweiligen Kontext richtig interpretieren können. Zum Beispiel:

  • Liegt ein abweichender Sturzwert an einer Verformung des Fahrwerks?
  • Liegt die Abweichung noch innerhalb der Toleranzen oder deutet sie auf Spiel in einem Lager, einem Achsschenkel- oder Lenkkugelgelenk beziehungsweise auf verschlissene Gummibuchsen hin?
  • Muss der Kunde auf abgefahrene Reifen oder einen früheren Unfall aufmerksam gemacht werden?

Außerdem ist zu beachten, dass die Symmetrie zwischen linker und rechter Seite manchmal wichtiger ist als die absoluten Werte.

UND ZU GUTER LETZT.

Eine professionelle Achsvermessung erfordert mehr als nur moderne Geräte. Ebenso wichtig sind fundierte Kenntnisse der Fahrzeugtechnik, die richtige Interpretation der Daten und das Know-how der Hersteller. Wer diese Expertise beherrscht, liefert nicht nur ein sicher fahrendes, optimal abgestimmtes Fahrzeug, sondern zeichnet sich auch als Fachspezialist in einer zunehmend technologisierten Arbeitswelt aus.

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